Hausarbeit ist in jeder Beziehung ein Thema und wenn Kinder da sind, potenziert sich das ganze noch. Es kommt mehr Arbeit dazu, mehr Wäsche, mehr Geschirr, mehr Unordnung und gleichzeitig hat man weniger Zeit, die ganze Arbeit zu erledigen, weil man sich ja noch um die Kinder kümmert.
Und was dieses Thema angeht, hat bestimmt jeder von euch seine eigenen Gedanken dazu. Vielleicht fühlt ihr euch von eurem Partner zu wenig unterstützt und habt das Gefühl, die Organisation des Familienalltags alleine zu schmeißen. Oder es nervt euch, dass ihr immer an alles denken müsst: Von den Impfterminen der Kinder bis hin zu den Bücherei-Terminen im Kindergarten. Vielleicht arbeitet einer von euch die ganze Woche ganztags im Büro und ärgert sich, dass der andere es in dieser Zeit nicht schafft, den Haushalt in Schuss zu halten. Oder ihr arbeitet beide außer Haus und habt eigentlich abgemacht, die Familienarbeit gerecht aufzuteilen. Aber irgendwie habt ihr das Gefühl, dass einer von euch immer mehr macht.
Gemeinsam einen Haushalt zu managen ist ganz schön komplex
Erstmal gibt es so viele Punkte, zu denen man unterschiedlicher Meinung sein kann: Müssen jeden Morgen die Betten gemacht werden? Wann ist es Zeit, das Waschbecken zu putzen? Kann unsere Kleinste den Body nicht drei Tage lang anlassen?
Und es gibt so viele Aufgaben, die verteilt werden müssen: Wer hat die Arzttermine der Kinder im Blick? Wer bringt die Kinder ins Bett? Wer geht einkaufen? Wer kümmert sich um die Wochenendgestaltung, wer um die Finanzen, wer darum, dass die Autoreifen gewechselt werden?
Und dann seid ihr ja auch noch zwei Individuen, denen ganz unterschiedliche Werte und Gewohnheiten von zuhause mitgegeben wurden. Sehr wahrscheinlich hat jeder von euch eine andere Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit. Oder einer möchte bestimmte Tätigkeiten – zum Beispiel die Küche aufräumen – schnell erledigt haben, während der andere nach dem Essen lieber noch ein bisschen gemütlich zusammensitzen möchte.
Es wird immer wieder zu Konflikten kommen – entscheidend ist, wie ihr damit umgeht
Das Thema Familienmanagement ist wahnsinnig komplex und läuft nicht nebenbei, sondern braucht eure Aufmerksamkeit, auch wenn ihr euch manchmal denkt: „Das ist doch kein Stoff für ein Drama. Viel zu banal, dass wir uns darüber streiten.“ Die Organisation eures Familienalltags erfordert, dass ihr euch hinsetzt und darüber sprecht, wie ihr bestimmte Dinge regeln wollt, damit es für euch beide passt. Und zwar immer wieder – denn ihr könnt davon ausgehen, dass ihr das auch regelmäßig anpassen müsst.
Und wenn ihr euch zusammensetzt, vermeidet Vorwürfe und Beschimpfungen. Ich kenne das sehr gut: Wenn man sich nicht mehr wohl fühlt und das Gefühl hat, mehr zu machen als der andere, dann ist einer der ersten Impulse, den Frust am anderen auszulassen – gerne noch schön verallgemeinernd: „Immer wenn du kochst, sieht die Küche hinterher wie ein Schlachtfeld aus“ oder „Warum muss ich immer die Geschenke für die Kindergeburtstage besorgen?“
Vorwürfe haben aber meist zur Folge, dass unser Gegenüber sich angegriffen fühlt und dann eine von zwei Strategien wählt: sich zurückziehen oder zurückfeuern. Beides führt dazu, dass ihr euch in einem Strudel aus gegenseitigen Vorwürfen wiederfindet – und keinen Schritt weiterkommt.
Vorwürfe in Wünsche verwandeln
Eine ganz andere Dynamik entsteht, wenn wir stattdessen über uns sprechen. Und wenn wir uns bewusst machen, dass hinter jedem Vorwurf eigentlich ein Wunsch steckt.
Meistens machen wir Vorwürfe, weil es uns so schwer fällt, eine Bitte oder ein Bedürfnis zu äußern. Wenn wir das tun, zeigen wir ja etwas von uns – und das machen wir gar nicht so gern. Oft sind wir uns auch gar nicht wirklich im Klaren darüber, was wir eigentlich wollen. Oder wir glauben, dass wir es nicht wollen dürfen – etwa weil der Partner Vollzeit arbeitet und wir das Gefühl haben, im Gegenzug für das gesamte Familienmanagement zuständig zu sein.
Wenn ihr euch das nächste Mal über das Chaos zuhause ärgert, fragt euch vielleicht erstmal: Was fühle ich gerade in dieser Situation? Wo fühle ich mich ungerecht behandelt? Warum? Also zum Beispiel: „Ich fühl mich einfach nicht wohl, wenn ich morgens in eine unaufgeräumte Küche komme“ oder „Ich bin überfordert und habe das Gefühl, dass alles an mir hängen bleibt.“
Und dann könnt ihr überlegen, welche Unterstützung ihr euch wünscht: „Ich fände es sehr entlastend, wenn du dir auch mal überlegst, was wir in der kommenden Woche kochen könnten.“
Wenn ihr euch so öffnet, gebt ihr dem anderen die Chance, sich einzufühlen. Er oder sie hat die Möglichkeit zu verstehen, was euch stört und was ihr braucht und damit einen Weg zu suchen, wie er euch unterstützen kann.
Wenn wir uns überlastet fühlen, übersehen wir schnell, was der andere leistet
Wenn ihr das Gefühl habt, alles losgeworden zu sein, was euch wichtig war, dann hört auch wirklich zu, was euer Partner dazu zu sagen hat. Das kann manchmal einen ganz überraschenden Effekt haben – weil wir manchmal so darauf fokussiert sind, was wir alles leisten, dass wir einiges von dem übersehen, was der andere tut.
Wie oft ihr euch zusammensetzt, um die Organisation des Familienalltags zu besprechen, findet ihr am besten selbst heraus. Vielleicht alle zwei Monate, oder immer dann, wenn es sich für einen von euch nicht mehr gut anfühlt. Diese Fragen können euch dabei leiten:
- Was bringt jeder von euch gerade ein?
- Ist die Aufteilung für euch in Ordnung oder möchtet ihr etwas verändern?
- Gibt es eine Aufgabe, die ihr unbedingt loswerden möchtet? Vielleicht stellt ihr fest, dass es dem anderen gar nicht so viel ausmacht, sie zu übernehmen.
- Wollt ihr einzelne Aufgaben zur Probe mal tauschen? Es kann ganz interessant sein, selbst zu spüren, was der andere damit leistet.
Versucht euch in diesen Gesprächen als Team zu sehen, das regelmäßig eine Bestandsaufnahme macht: Was sind eure jeweiligen Stärken und Vorlieben? Wie sehen eure Zeitkapazitäten gerade aus? Vielleicht ist einer morgens schneller wach und kümmert sich ums Frühstück, während der andere noch durch die Wohnung schlurft und erst einen Kaffee braucht – dafür aber abends noch die Energie hat, die Spülmaschine einzuräumen und den Müll runterzubringen.
Fragt euch: Wie können wir für unsere Entlastung sorgen?
- Wollt ihr Aufgaben abgeben? Eine Unterstützung fürs Putzen holen? Euch mit befreundeten Eltern beim Abholen der Kinder abwechseln?
- Überprüft eure Aufgaben: Ist es wirklich sinnvoll, alles so zu tun wie bisher? Müssen die Fenster alle zwei Monate geputzt werden? Ist es notwendig, jeden Morgen Figuren aus dem Pausenbrot auszustechen – oder genießt ihr diese Zeit lieber mit den Kindern?
- Ermöglicht euch gegenseitig Auszeiten: Hat jeder von euch Zeiträume, in denen er sich regenerieren kann? Etwas tun kann, das ihm wieder Energie gibt?
Es geht nicht darum, alles fifty-fifty aufzuteilen
Ich denke, bei diesen Gesprächen geht es nicht darum, alles haargenau aufzuteilen. Der eigentliche Gewinn liegt darin, dass jeder von euch wahrnimmt, was der andere leistet und dass es sich nach dem Gespräch für beide wieder gut anfühlt.
Auf dieser Grundlage könnt ihr die Arbeit des anderen vielleicht wieder bewusst wertschätzen und das auch offen aussprechen. Im Alltag läuft so vieles nebenher, und wir nehmen zu viele Dinge, die der andere tut, schon als selbstverständlich wahr. Dabei weiß jeder von uns, wie gut es sich anfühlt, wenn man für seine Arbeit ein „Danke“ bekommt.
Und wenn ihr merkt, dass der andere anfängt zu meckern, frustriert oder gestresst erscheint, könnt ihr das vielleicht als Zeichen deuten, dass er Unterstützung braucht. Baut ihm eine Brücke und fragt, ob ihr etwas abnehmen könnt. Wer sich regelmäßig erkundigt, wie es dem anderen mit seinen Aufgaben geht, kann Frust manchmal sogar vorbeugen.
Wenn ihr merkt, dass das Thema Hausarbeit bei euch immer wieder zum Streit wird und ihr das Gefühl habt, im Kreis zu drehen, dann lohnt es sich, das gemeinsam anzugehen.
Ich begleite euch dabei. Das erste Gespräch ist unverbindlich und kostenlos.









